Der Treff als safer Space

Treffregeln

  1. Berührungen

Frag zuerst nach Zustimmung, bevor du eine Person anfasst.

Es gibt im Treff „Consent“ Armbänder, die mittels Farbkodierung einen Hinweis darauf bieten, womit Menschen fein sind.

  1. Drogen

Im und um KF (30 Meter Regel) werden keine bewusstseinserweiternden Substanzen zu sich genommen. Man darf nicht unter Einfluss im Treff sein.

Kaffee ist erst ab 16 erlaubt. Stärkere koffeinhaltige Getränke und Alkohol werden nicht verkauft.  

Drogen werden nicht schöngeredet.

  1. Gendern

Wir schließen nicht vom Aussehen auf das Geschlecht. Wir benutzen die richtigen Pronomen für Menschen – kennen wir diese nicht, dann benutzen wir geschlechtsneutrale Sprache. Degendering kann auch Misgendering sein!

Bei einem Fehler korrigieren wir uns kurz, entschuldigen uns und reden weiter.

  1. Kleidung

Brustkorb und Unterleib müssen mit undurchsichtige Kleidung bedeckt sein, unabhängig vom Geschlecht. Für genauere Beschreibungen, sehe die Figur nebenan. 

  1. (nicht) Sexualisieren

Ich sexualisiere keine Handlunge, Körper oder Aussagen von Anderen.

Im Treff sind jegliche sexuelle Handlungen untersagt: Ich achte bei Körperkontakt nicht nur auf das Gegenüber, sondern auch auf andere Treffbesuchende.

Ob eine Interaktion eine Grenze überschritten hat, kann nur der*die Betroffene feststellen. Es braucht Kommunikation von allen Seiten: bist du dir unsicher oder fühlst du dich unwohl? Sprich eine Fachkraft an, oder benutze die Meldeboxen im WC.

  1. Respektieren

Im Reizarmen Raum sollte es ruhig, geruchsneutral und nicht zu hell sein. Gegessen wird dort nur, wenn es für die anderen im Raum in Ordnung ist.

Die Sanduhr wird umgedreht, wenn es zu laut ist, dann wird extra auf die Lautstärke geachtet.  

Achte aufeinander: spreche (vermeintliche) Problemsituationen an, kommuniziere so viel wie möglich miteinander und mit den Fachkräften. Wenn du oder andere Personen sich (vielleicht) unwohl fühlen, ist es immer positiv nachzufragen.

  1. Trigger & Gewalt

Keine (Beschreibung von) Gewalt, Gewaltfantasien und Gewaltverherrlichung.

Wir vermeiden Triggerthemen in Gruppensettings und fragen unsere Gesprächspartner*innen, bei kritischen oder schwierigen Themen vorher, ob diese gerade passend sind.

Auf Anfrage zeigen die Fachkräfte eine Liste von Trigger Themen, und sprechen das Thema mit euch durch.

Alle Themen sind bei den Fachkräften ansprechbar, in einer Beratung. Bist du dir unsicher? Frag nach!

Ergänzungen zum Thema Körperkontakt

Das Orga-Team hat eine Umfrage zum Thema Körperkontakt durchgeführt. Hier sind die Ergebnisse. Bei dem meisten Körperkontakt von dritten fühlen sich zwischen 75% und 92% Wohl (Wangenkuss, nebeneinandersitzen, den Kopf auf einer anderen Person legen, auf dem Schoß einer anderen Person sitzen, in den Arm beißen, sich umarmen, …). Bei einigen Handlungen fühlen sich weniger als 50% der Menschen wohl. Diese Handlungen sind ab jetzt im Jugendtreff verboten:

  • Zungenküsse
  • Schulter/Hals küssen/beißen
  • Mit dem ganzen Körper aufeinander liegen geht nur wenn das nicht sexuell ist und genug Platz auf der Couch ist.

 

Ebenfalls aus der Umfrage:

  • Menschen sollen nicht stöhnen, auch nicht als Witz.
  • Sexualisierte Gespräche sollen sowieso nicht stattfinden (vor Allem nicht mit minderjährigen)
  • Menschen sollen nicht zu fest beißen – zu fest = bis es blutet oder bis die andere Person (mehrmals) aua sagt.

Andere sexuelle Handlungen sind auch nicht erlaubt. Denk dran: andere Besucher*innen kriegen mit was ihr tut, und haben nicht zugesagt. Die jüngsten Treffbesucher*innen sind 14 Jahre alt.

Wo soll meine KLeidung undurchsichtig sein?

Arten von Gewalt

Sowie in unserem Schutzkonzept beschrieben, gibt es die „gängig anerkannte Gewaltformen“: körperlicher, verbaler, psychischer, sexualisierter und seelischer Gewalt. Darüber hinaus legen wir einen besonderen Fokus auf strukturelle Gewalt: Wir setzen uns aktiv dafür ein, jeglicher Art von Diskriminierung vorzubeugen und abzubauen. Beispiele von den „gängig genannten Gewaltformen“ findet ihr hier – Content Warning für Beschreibungen von Gewaltszenarien

Darüber hinaus gibt es auch grundlegende Arten von Gewalt, die in in den gesellschaftlichen Strukturen zu finden sind. Diese sind aufzuteilen in strukturelle und Epistemische Gewalt. Strukturelle Gewalt bessagt, dass der Aufbau der Gesellschaft an sich bestimmte Menschen und Gruppen benachteiligt. Epistemische Gewalt bedeutet ,dass es ungeschriebene Regeln gibt, was als „normal“ gilt: diese „Normalität“ schließt bestimmte Menschen und die Gruppen, denen sie angehören aus. Mehr Informationen zu dieser Aufteilung findet ihr hier. 

Was ist „Sexualisieren“?

Laut Wikipedia gibt es 3 Definitionen (eigene Hervorhebung):

  • die Fokussierung Hervorhebung der Sexualität innerhalb eines umfassenderen Kontextes
  • die Betrachtung eines Objektes unter sexuellen Gesichtspunkten bzw. unter dem Aspekt der Sexualität, besonders wenn dieses Objekt diese Betrachtung von sich aus nicht evoziert. (hervorrufen)
  • nach dem Buch Sex and Social Justice (dt. Geschlecht und soziale Gerechtigkeit) von Martha Nussbaum eine Form der sozialen Hierarchisierung, wenn Sexualität und Geschlecht dazu benutzt werden, Personen (nicht nur, aber insbesondere Frauen) zum sexuellen Objekt zu degradieren und über Sexualität Machtansprüche zu kommunizieren und durchzusetzen

Nicht nur Personen sondern auch Objekte, Handlungen und Aussagen können sexualisiert werden. 

Die Relevanz für die Treffregeln ist, dass Sexualisierungen, laut der dritten Definition mit den folgenden Themen zu tun haben: Selbstbestimmung, Grenzen, sexualisierte Gewalt, Sexismus bzw. (Trans)Misogyny.

Treffbesucher*innen sollten keiner Gewalt und somit keiner Sexualisierungen ausgesetzt sein, sondern über sich selbst bestimmen können. Der Treff hat als safer Space zwei Ziele, die mit Sexualisierungen zu tun haben. Erstens wollen wir gesellschaftliche Machtstrukturen abbauen: wie bei dem Punkt „Gewalt“ beschrieben, gibt es Arten von Gewalt, die in der Gesellschaft eingebaut sind. Manchmal üben Menschen, gewollt oder unbeabsichtigt die Macht die sie haben aus, in dem sie eine andere Person sexualisieren. Das wollen wir vermeiden. 

Zweitens müssen Treffbesucher*innen einanders Grenzen respektieren und auf die mögliche Existenz von Grenzen achten. Unabhängig von den Machtstrukturen kann es sein, dass eine Grenze überschritten wurde. Solche vorfälle wollen wir vermeiden oder nachher ansprechen können. 

Ab wann sind Sexualisierungen problematisch?

Eine Sexualisierung ist ein Problem, wenn:

  1. Sie eine beabsichtige Machtausübung war (ein Übergriff)
  2. Sie unerwünscht war für den Betroffenen.
  3. Sie getätigt wurde, ohne sicher zu wissen, ob Consent vorhanden war.
  4. Sie in einem Gruppensetting stattfand, wo sie unangemessen ist. Zum Beispiel: Dritten wollten diese Interaktion zwischen zwei einverstandenen Leuten nicht mitkriegen.

Der wichtigste Aspekt ist hier: die Betroffenen entscheiden, wann ihre Grenzen überschritten wurden. Ich kann für eine Andere Person nicht entscheiden, wo ihre Grenzen liegen.

Wie vermeide ich Sexualisierungen?

Nicht alle Menschen sind genauso gut drin, zwischen Situationen zu differenzieren.

Die Reaktion vom Gegenüber kann zeigen, wie es der Person geht. Es kann aber immer sein, dass ich die Reaktion nicht deuten kann oder diese die Gefühle nicht deutlich dargestellt haben. Wenn ich mir unsicher bin, sollte ich nachfragen. Nur gute Kommunikation kann unbeabsichtigte Sexualisierungen (in vielen Fällen) vermeiden. Leider wird es aber trotzdem Mal passieren, dass wir eine Grenze überschreiten. Aus diesen Vorfällen können wir aber lernen.

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